daria-thailand - @ myblog.de
1. Indien: Geschichten & mehr

Mal wieder ein verregneter Morgen, mal wieder keine Sonne ueber dem deutschen Horizont und ein Julitag mit mageren 15 Grad Aussentemperatur. Mancheinem mag das zusagen. Ich dagegen hatte eindeutig die Nase voll von diesem Moechtegernsommer.

So verschlug es mich mal wieder zum guten alten Frankfurter Flughafen, vollgepackt mit Gummibaerchen, Nutella und Sommerkleidern, die mehr verdienen als ungetragen den ganzen Sommer im Schrank eingesperrt zu sein. Ich wartete nur noch auf meine fuenf Teilnehmer, mit denen wir zu unserem Workcamp aufbrechen wuerden.

Wohin es denn nun ging? In das laute, stuermische, bunte und fernoestliche Land (auch wenn es geografisch zu Asien gehoert). In welchem die Bevoelkerungsdichte alle Grenzen zu sprengen droht, wo jedes Essen zu siebzig Prozent aus Gewuerzen und zu dreissig aus Chilli besteht, in welchem das Wort Hollywood neu geschrieben wurde und welches schliesslich unser Zuhause fuer die naechsten vier Wochen sein soll – kurz: Indien!

Wie gestaltet man also am besten einen zehn Stunden Flug in ein Land, welches den Kulturschock schon beinahe garantiert? Gemuetliche Flugzeugsitze, freundliches Personal und leckeres rationiertes Schaelchen-Essen sind eigentlich mehr als genug. Doch braucht man dazu wirklich eine Multimedia-Auswahl bestehend aus 200 Filmen, 350 Folgen diverser Fernsehserien und 1000 Musiktiteln? Qatar Airways sagt eindeutig "ja"! Und weil das noch nicht genuegt, sind die sitzintegrierten Touchscreens auch noch mit Videospielen, einem flugzeuginternen Telekommunikationsgeraet und einer Live-Uebertragung des Flugverlaufs aus Pilotenperspektive ausgestattet.

Um nicht unter absoluter Reizueberflutung einen epileptischen Anfall zu erleiden, gab es einen Zwischenstopp auf dem wohl heissesten Flughafen der Erde: Doha, Qatar. Satte 44 Grad prallten auf dem kurzen Weg zum Shuttle-Bus auf uns ein und das trotz spaeter Stunde. Und dabei wollten mir doch sämtliche scheinwissenschaftliche Fernsehsendungen vermitteln, dass nachts in der Wueste Eiseskälte herrsche. Mal wieder hatte mein mediengeschaffenes Weltbild einen Riss bekommen.

Nach weiteren sieben Stunden (wobei drei davon auf die stumpfsinnigste Diskussion, die ich je erlebt habe, mit einem indischen Passkontrolleur draufgingen), kamen wir endlich an. Eine riesige Menschenmasse von – fuer meine Augen - absolut identisch aussehenden Indern wartete vor der Tuer. Ich überflog mit den Augen mehrmals die Menschenmasse, auf der Suche nach einem bestimmten Hinweis. Und da, zwischen all den wackelnden Koepfen, das Kolping-Schild! Nach langen Email-Verhandlungen und wenigen kurzen, schwer verständlichen Telefongesprächen, hatte unser Projektportner tatsächlich Wort gehalten. Zuegig wurden wir von unserem Abholer in einen Minibus verfrachtet.

Hier war es endlich, Indien von dem ich so viel gehoert und auf das ich so lange gewartet habe. Haeufig verschrecken die Geschichten vieler Indienreisender eher und floessen Angst vor Krankheiten, Dreck, Krabbelviechern und Bettlern ein. Das Indien, das ich aus dem Fenster sah, war anders. Ja, es lag Muell und Abfall am Strassenrand, aber gleichzeitig war man von Palmen, tropischen Baeumen und Fluessen umgeben. Sicher kamen wir auch an Ecken vorbei, die etwas gammelig-verfault dufteten, doch gleichzeitig war ueberall der salzige Geruch von Meereswasser und Waerme und Sonne und Urlaub. Und selbstverstaendlich war es so heiss, dass der Schweiss nur so den Ruecken runterlief. Aber dank Doha, wusste ich: es geht auch schlimmer!

Ich bin also alles in allem angekommen. Ob meine Hochstimmung auch weiter anhaelt, wird sich bestimmt schon bald rausstellen. Da bin ich mir sehr sicher.

18.7.11 08:33
 


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