daria-thailand - @ myblog.de
3. In göttlicher Ruhe

Ein kleines Dorf, dunkle Nacht, leichter Wind rauscht durch die Palmenblaetter, die Insekten summen unter dem Sternenhimmel… So oder so aehnlich stellt man sich einen erholsamen naechtlichen Schlaf im tropischen Indien vor. Doch wer mich kennt, weiss dass Glueck nicht gerade mein Freund ist, dafuer aber die beruehmt beruechtigte Arschkarte...

22:00 Uhr: Gemuetlich schlendere ich auf meine Bambusmatte um endlich meine mueden Knochen in den Schlafsack zu schieben. Nach stundenlangem Erdeschaufeln haben sie das mehr als verdient. Da das eigentliche Zimmer laut unseren indischen Freunden erst “tomorrow” fertiggestellt wird – ein Versprechen, das wir uebrigens schon seit fuenf Tagen zu hoeren bekommen – steht das Pseudobettchen mitten in der Kueche.

22:30 Uhr: Der Sandmann verteilt sein Zauberpulver ueber die immer mueder werdenden Aeuglein…

23:00 Uhr: The fucking Bible Clock geht los. Eine Ansage, die ueber Lautsprecher im ganzen Dorf schallt und biblische Verse inklusive genauem Stundenschlag verkuendet. Bescheuert? Absolut. Doch noch bescheuerter ist, dass sie zur jeden vollen Stunde des Tages losgeht und das 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Guten Schlaf, sage ich da nur.

23:30 Uhr: Stromausfall. Nicht wirklich schlimm, wenn man doch eh schlaeft und kein Licht braucht. Aber totaler Mist, wenn man ohne die laufenden Ventilatoren eine Schweisslache in sein Bett schwitzt und darin ertrinkt.

00:00 Uhr: The fucking Bible Clock lebt noch. Das verkackte Ding ist freudigerweise an ein Notfallstromgenerator angeschlossen und kann uns somit die ganze Nacht begluecken.

01:30 Uhr: Was koennte eine solch schoene Nacht noch schoener machen? Feuerwerk!  Neben unserer wunderbaren Kirche gibt es in Akkarapalayam einen Hindu-Tempel, der gerade heute sein reizendes Hindu-Fest mit Gesang und tinitusfoerderndem Getrommel in Fahrt bringt. Jetzt muesste doch jeder bestens einschlafen koennen.

02:30 Uhr: Und wenn nicht, dann spaetestens bei dem mysterioesem Rasseln, das aus der Richtung der offen stehenden Tuer kommt. Wer hier an solche Kreaturen wie Rasselschlangen denkt… liegt vollkommen richtig.

04:00 Uhr: Im eigenen Schweisse badend, von Moskitos von Kopf bis Fuss zerstochen, vor lauter Angst zitternd und bebend… schlimmer koennen die restlichen Nachtstunden doch gar nicht mehr werden. Es sei denn ein belaemmerter Hahn entscheidet sich schon zwei Stunden vor Sonnenaufgang seinen Beitrag zum Ganzen zu leisten.

06:00 Uhr: Und schliesslich nach knappen zwei Stunden Schlaf, drei Kilo leichter – dank des schwitzigen Wasserverlustes – wache ich von einem scharrenden Geraeusch auf. Das Kuechenmaedchen hatte freundlicherweise angefangen den Kuechenboden zu fegen, waehrend ich noch darauf lag.

Ist ja auch nicht weiter schlimm, da es um 06:30 Uhr eh zur Messe geht. Und ich, als streng unreligiöser Mensch, freue mich aber tatsächlich darauf. Denn wenigstens da kann ich endlich in goettlicher Ruhe schlafen.

27.7.11 11:59
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de


Gästebuch

Startseite

Kontakt