daria-thailand - @ myblog.de
5. Der Fluch des Hahns

Wer meine Indienreisen fleissig mitverfolgt, weiss wie mein Verhaeltnis zu einem gewissen gefiederten Vogeltier aussieht. In letzter Zeit hatte sich der geistig verwirrte Hahn die Angewohnheit zugelegt schon um vier Uhr morgens – also nochmal eine Stunde frueher – sein Morgenlied zu kraechzen.  Und da wir uns ausgiebig darueber bei unseren Gastgebern beschwerten, wurde das Federvieh kurzerhand gekoepft und als Chickencurry serviert. Erzuernt ueber unser Verschulden, legte damals wohl der Huehnergott einen Hindu-Zauber auf uns, denn die folgenden Tage waren wie vom Unglueck verfolgt.

Wunderschoene Wasserfaelle im tiefen tropischen Wald und leckeren frischgefangenen Fisch verspach uns der Father am Tag 1 des Horrorspektakels. Der Weg war es aber, der  meinen untrainierten, europaeischen Koerper an alle seine Grenzen brachte. Auf duennen Gummi-Flip-Flops musste ich wie ein tollpatschiges Nielpferd ueber glitschiges Gestein im Wasser schlittern. Der dubioese Bergfluss mit riesigen Felsbrocken war naemlich der einzige Weg zu dem versprochenen Wasserspiel. Sechs Kilometer, eine ausgerenkte Schulter, zahlreiche Platzwunden und mehrfach gerissenen Geduldsfaden spaeter, war allerdings immer noch nichts von den Faellen zu sehen. Trockenzeit – war die Erklaerung unserer indischer Begleiter.

Diese herrschte wohl auch im Aquapark, in welchen wir am Tag 2 von den Kolping-Familien eingeladen waren. Nach nur vier Stunden Schlaf wurden wir aus unseren Moskitonetzen gezerrt und in den Bus gesetzt, um zu einem Damm ohne Wasser und einem anliegenden Wasserpark, ebenfalls ohne die klare Fluessigkeit gefahren zu werden. Acht trockene Stunden verbrachten wir dort und durften gelangweilte Krokodile in ihren viel zu kleinen Verliessen beobachten.

Die Kroenung des Tages war die Busfahrt nach Hause. In unvorstellbarer Lautstaerke bruellte aus allen Boxen indische Musik, mit derartig hohen Toenen, dass sie theoretisch nur von Hunden gehoert werden koennte. Als der Indien-Express endlich unser beschauliches Doerfchen erreichte, wusste jeder von uns eines mit Sicherheit: besser ein schreiender Hahn, als kraechzende wir.

7.8.11 12:52
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de


Gästebuch

Startseite

Kontakt